27.06.2018

Think Big im Telefónica Basecamp: Digital Native oder digital naiv?

Schon seit zweieinhalb Wochen ist die Think Big Tour in ganz Deutschland unterwegs. Für das Highlight-Event im Telefónica Basecamp in Berlin konnten 50 Schüler mit Gästen wie Politikerin Diana Kinnert, dem 19-jährigen Gründer Rubin Lind oder YouTuber aSmoogl über Chancen und Risiken der digitalen Zukunft diskutieren.

Die Think Big Tour steht dieses Jahr unter dem Motto “Your digital inspiration” und möchte Schüler fit für die digitale Zukunft machen. Moderator Felix Seibert-Daiker fragt die Schüler der Elinor Ostrum Schule zuerst, wer von ihnen ein Smartphone besitzt. Ergebnis? Keine Hand bleibt unten.

Die Elftklässler sind Teil der digitalen Welt und erkennen bereits ihre Entwicklungen. Ein Schüler nennt während des Vortrags von Teamer André als Beispiel für eine smarte City das Prinzip der Fahrradleihstationen oder des Carsharings. Ein anderer überwacht mit seiner Smartwatch, wie viele Schritte er am Tag macht.

Auch beim Thema Social Media reagieren die Schüler sofort und deuten auf eine Schülerin mit vielen Followern. Lucie (17) hat auf der Plattform Instagram rund 11.000 Abonnenten und weiß selbst gar nicht genau, wie das passiert ist: “Ich poste ganz normale Bilder, mit keinem speziellen Thema. Das macht mir einfach Spaß.”

Die Welt smarter machen

Im nächsten Schritt sollen die Schüler sich selbst Ideen überlegen, wie sie ihre Schule noch smarter machen können. An einem Gruppentisch wird über einen intelligenten Stift nachgedacht. Jaschar (17) findet: “Es müsste einen Stift geben, der schon weiß, was ich schreiben möchte. Dann tut einem nach einer Klassenarbeit auch nicht mehr die Hand weh.” Arianny (17) ist eher an einer Cafeteria interessiert, die mit den Schultischen verbunden ist: “Du bestellst dein Essen per App und es kommt dann direkt unter deinem Tisch raus.” Die Klassen der Elinor Ostrum Schule sind nicht nach den Stufen benannt, sondern nach Themen. Heute sind die Klassen “Start-Up” und “Weltenbummler” im Basecamp. Wer weiß, vielleicht gibt es bald die schlaue Cafeteria oder den intelligenten Stift?

Think Big Schüler

Schülerin Arianny (17) hat große Visionen.

Nicht stehen bleiben

In der Praxisphase wird klar: Die Schüler wollen mehr über die digitalen Tools wissen. Die meisten haben bereits erste Erfahrungen mit dem Programmieren in der Schule gesammelt, erzählt Schüler Nelson (17): “Wir haben schon mal eine Figur in einem Spiel programmiert. Die konnte dann vorwärts und zur Seite laufen. Ich finde es cool, dass wir hier einem Wecker sagen können, wann er klingeln soll.”

Lehrerin Anke Noll ist es wichtig, auch außerschulische Veranstaltungen für die digitale Auseinandersetzung zu finden: “Viele haben Informatik bei uns abgewählt. Umso wichtiger ist es, den Kontakt zu solchen Themen nicht zu verlieren. In unserem Open Learning Center haben die Schüler immer die Möglichkeit, mit Computern zu arbeiten.”

Wie sieht die digitale Zukunft aus?

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion konnten die Schüler die Frage “Generation Z – Digital Native oder digital naiv” mit fünf Gästen aus dem Medien- und Politikbereich diskutieren. Der digitale Aspekt kommt dabei nicht zu kurz: Über das TED-Talk-Tool Pigeonhole können die Schüler ihre Fragen direkt per Smartphone an Moderator Felix senden.

Felix Seibert-Daiker, YouTuber aSmoogl, Diana Kinnert, Rubin Lind, Timm Lutter, Frank Eilers

Von links: Felix Seibert-Daiker, YouTuber aSmoogl, Diana Kinnert, Rubin Lind, Timm Lutter, Frank Eilers

Und nicht nur im Publikum ist die Generation Z vertreten. Auf der Bühne erzählt der 19-jährige Gründer Rubin Lind von seiner Vorstellung einer digitalen Zukunft: “Schulen müssen viel mehr am Ball bleiben, was Digitalisierung angeht und ihre Lernmaterialien anpassen. Sonst werden sie irgendwann abgehängt.” Timm Lutter vom Cornelsen Verlag gibt zu bedenken: “Für digitale Produkte müssen an Schulen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. W-LAN in der Schule wäre ein Anfang.” Die Schüler nicken zustimmend.

YouTuber als Beruf?

Schüler nehmen mit Smartphone an Diskussion teil.

Und kann man eigentlich von Social Media leben? YouTuber aSmoogl meint: “Ich habe auch noch einen festen Job, aber theoretisch könnte man davon leben und das machen auch viele.” Daraus entstehen neue Fragen und die Schüler wollen mehr über die Jobs der digitalen Zukunft wissen. Politikerin Diana Kinnert sieht die Entwicklung positiv: “Durch die Digitalisierung werden wir flexibler und können von überall aus arbeiten.” Auch Podcaster Frank Eilers sieht vor allem die Vorteile: “Viele Jobs kann die künstliche Intelligenz einfach besser als wir: zum Beispiel Steuern.”

Digital, aber nicht naiv

Schüler Neo (17) ist sich trotzdem noch nicht sicher: “Die digitale Zukunft ist ein neues Kapitel. Es ist auf der einen Seite eine Errungenschaft, auf der anderen Seite könnte das Zwischenmenschliche dadurch immer mehr verloren gehen. Die neue Währung werden Daten sein.” Arianny (17) findet, die Kommunikation wird dadurch gestärkt: “Ich kann zu meiner Familie in der Dominikanischen Republik Kontakt halten. Wir können generell mehr kommunizieren und Distanzen überwinden.”

Auch Schülerin Megan (17) sieht Digitalisierung nicht nur positiv: “Wir sind zwar besser vernetzt, aber das bedeutet auch, dass wir uns mit viel mehr Leuten vergleichen. Das ist nicht immer gut.” Die Diskussion zeigt: Als Digital Natives sind die Schüler nicht naiv, sondern hinterfragen Entwicklungen bewusst, ohne sich vor ihnen zu verschließen.

Beitragsfoto: Jan Kopetzky

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