16.04.2018

Solidarität: Über einen jungen Mann, der Menschen zusammenbringen möchte

„Wir und nicht ich oder du“ – so heißt das Social Media Projekt, das der 19-jährige Moutasm aus Essen ins Leben gerufen hat. Mit dem YouTube-Kanal „Solidarität TV“ und Seiten auf anderen Kanälen wie Facebook möchten sein Team und er Menschen aus schweren Verhältnissen eine Stimme geben und Rassismus und Diskriminierung bekämpfen. Hier erzählt er, wie Think Big ihm dabei geholfen hat.

Moutasm kommt ursprünglich aus Syrien und lebt seit zweieinhalb Jahren in Essen. Vor ein paar Jahren hätte er nie gedacht, irgendwann in Deutschland zu leben. Mittlerweile fühlt er sich hier zu Hause, begegnet aber noch Vorurteilen im Alltag. „Daher das Projekt. Ich möchte, dass nicht über Menschen, sondern mit Menschen gesprochen wird.“ Seine Flucht und sein Neuanfang hier haben ihn dazu inspiriert, Geschichten zu erzählen, erzählt Moutasm. Angefangen hat das Projekt mit nur drei Mitgliedern, mittlerweile sind sie 25. Die Mitglieder haben verschiedene ethnische Hintergründe und verschiedene Religionen. Jeder ist willkommen.

Die Projektgruppe macht Straßeninterviews, geht auf Veranstaltungen und arbeitet dabei immer eng mit sozialen Organisationen in Essen zusammen. Moutasm hat vor kurzem eine Diskussion mit Mitgliedern der rechtspopulistischen AfD geführt. “Natürlich kann man Vorurteile und Grundeinstellung nicht durch ein einziges Gespräch beseitigen.” Aber er hat gemerkt, dass sie ihn durch das Gespräch mehr akzeptieren konnten. Ihm geht es nicht darum, dass jeder dieselbe Meinung hat, sondern darum, dass man trotz Meinungsverschiedenheiten eine Lösung findet, um friedlich zusammenzuleben.

Moutasm bei einem Dreh für seinen YouTube-Kanal „Solidarität TV“

„Solange Menschen mich respektieren und nicht beleidigen, bin ich immer offen für ein Gespräch, auch wenn sie eine andere Ansicht vertreten.“

Für „Wir und nicht ich oder du“ hat Think Big Moutasm und seinem Team viel geholfen. Stolz erzählt er von der Projektförderung, die er im Herbst 2017 bekommen hat. Moutasm hat außerdem im Frühling beim allerersten Think Big Camp in Berlin zum Thema Big Data teilgenommen. Sein persönliches Highlight war das Thema Datenschutz. „Beim Videodreh ist dieses Thema gar nicht wegzudenken, denn Datenschutz, Rechte und Drehgenehmigungen sind sehr wichtig“, sagt Moutasm. Auch über Sensoren und darüber, wie Facebook Nutzerdaten sammelt, hat er viel im Camp gelernt. Wie Moutasm das Think Big Camp in drei Worten beschreiben würde? Hilfreich, informativ und integrativ. Es habe ihn auch fasziniert, dass ihn im Camp in Berlin niemand nach seiner Herkunft gefragt hat. „Wir haben einfach alle zusammengearbeitet und Spaß gehabt, obwohl wir uns davor nicht kannten“, meint er. Angemeldet hat Moutasm sich auch für die nächsten zwei Think Big Camps zu den Themen „Digital Storytelling“ und „Making and Coding.“

Zu seinem Aufenthalt in Berlin hat er auch ein Video auf seinem Channel hochgeladen – und dafür Johanna von der DKJS zu Think Big interviewt. Schau dir das unbedingt an:

„Wenn jemand bisher immer rassistisch war oder Leute verurteilt hat und sich wegen uns verändern konnte, dann haben wir alles erreicht, was wir wollten.“

Sein nächstes Ziel: Sein Projekt auf andere deutsche Städte, wie Berlin, ausweiten. In dem Punkt sind die Think Big Camps für ihn sehr hilfreich, da er in Berlin viele Menschen und die Stadt an sich kennenlernen konnte. Moutasm erwähnt auch oft das Thema Wohnungsmarkt. Für viele Menschen, vor allem in Großstädten, ist es aufgrund von Vorurteilen schwer, eine Wohnung zu finden. Das betrifft nicht nur Geflüchtete, sondern auch Obdachlose oder Menschen, die Hilfe vom Sozialamt beziehen. Das Schubladendenken möchte Moutasm bekämpfen.

Außerdem möchte Moutasm andere Jugendliche dazu ermutigen, etwas Eigenes zu starten und sich zu trauen. Anfangs war es für ihn aufgrund der Sprachbarriere sehr schwierig. Er hat sich trotzdem dazu entschieden, über seinen Schatten zu springen. Auf die Frage, welchen Rat er anderen jungen Menschen geben kann, antwortet er: „Einfach keine Angst haben. Egal, was passiert, gebt nie auf. Ihr könnt etwas verändern.“

Das Think Big Camp hat Moutasm begeistert

Alle Bilder: Moutasm Alyounes // Wir und nicht ich oder du

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