17.05.2018

Refugees under the Rainbow: Wenn Liebe und Hass so nah beieinander sind

“Folge dem Regenbogen und du wirst am Ende einen großen Schatz finden.” Doch wo ist das Ende und gibt es diesen Schatz? Diese Fragen stellen sich schwule, lesbische, bi- und transsexuelle Geflüchtete oft, welche mit doppelter Diskriminierung zu kämpfen haben. Filmstudentin Stella Traub vom Think Big Projekt “Refugees under the Rainbow” erzählt im gleichnamigen Dokumentarfilm die Geschichte von Menschen, die in der Gesellschaft unsichtbar sind.

Ritah, Yusuf und William heißen die drei Protagonisten von “Refugees under the Rainbow”. Alle von ihnen sind etwa vor zwei Jahren aus Uganda nach Deutschland geflüchtet, mit der Hoffnung, dass sie nicht mehr aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt werden. Ihre Asylanträge wurden abgelehnt, doch sie haben mithilfe von Spenden Klage eingelegt, denn sie können nicht zurück. Frieden und Sicherheit – das ist alles, was sie wollen.

“Ich hatte keine Ahnung, was mich in Deutschland erwarten würde. Aber ich wusste, dass die Leute, die mir Angst machen, ganz weit weg sein würden. Alles, was ich wollte, war sicher zu sein.” – Ritah

Stella wusste sofort, dass die Geschichte dieser jungen Menschen das Thema ihres Filmprojekts werden sollte, als sie davon erfuhr. Die 21-jährige Münchnerin hatte sich im letzten Jahr einen Vortrag im Landtag zu Geflüchteten mit LGBT-Hintergrund angehört und sich daraufhin darüber informiert. “Ich wusste selbst zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich, dass dieses Problem existiert und dass es so schlimm ist”, erzählt sie. Ihre Freunde unterstützen sie bei dem Projekt tatkräftig. Das Filmteam besteht aus acht Mitgliedern, die meisten sind Stellas Freunde, die selbst mit Film und Ton arbeiten. Auf den Vorschlag einer Freundin reichte Stella ihre Idee bei Think Big ein und bekam eine Projektförderung.

Yusuf und William lernte Stella beim Schwulenzentrum in München kennen, welches ein monatliches “Refugee Café” anbietet, um Geflüchteten mit LGBT-Hintergrund mit ihrer Situation zu helfen. Ritah traf sie auf dem Christopher Street Day in München. “Alle drei haben mir viel von ihrem Leben erzählt. Ihnen geht es in Deutschland deutlich besser, doch in den Flüchtlingsheimen werden sie aufgrund ihrer Sexualität oft von anderen Landsleuten ausgegrenzt und schikaniert. Daher ist es wichtig, dass es Heime für LGBT-Menschen als Safe Space gibt.”

Das Mobbing in Unterkünften bleibt oft ungesehen

“Für mich ist das definitiv eine einschneidende Erfahrung, so etwas Schlimmes zu hören. Besonders als einer der Protagonisten davon erzählt hat, dass er von seiner Familie gefoltert und vertrieben wurde, als er mit seinem Partner erwischt wurde.” Stella sieht es als Privileg an, dass Menschen ihr als Journalistin und Filmemacherin ihre intimsten Geschichten erzählen und möchte es dementsprechend würdig verarbeiten. Ihr persönliches Highlight des Filmdrehs ist der letzte Drehtag, als die Protagonisten zusammen den Regenbogen auf eine Leinwand gemalt haben. “Das war eine Art Abschluss. Das war der Moment, als ich wusste: Wir haben es geschafft.”

Der Film feierte im März seine Premiere. Für Stella ist diese besonders wichtig, denn es ist gleichzeitig ihr erstes großes freies Projekt. Die große Resonanz hat sie überrascht, denn ins Schwulenzentrum München sind 200 Menschen für den Film gekommen – Menschen, die sie sogar gar nicht kannte.

Es geht um Sichtbarkeit

Was kann man tun, um Menschen wie Ritah, Yusuf und William zu helfen? “Den Dialog suchen und Menschen darauf aufmerksam machen. Je mehr Leute wissen, dass das Problem existiert, desto besser. Es wäre toll, wenn das Bundesamt für Migration vielleicht von dem Film erfährt. Ich hoffe wirklich, dass Ritah, Yusuf und William in Deutschland bleiben dürfen. Bisher zählte das noch nicht wirklich als Grund für eine Aufenthaltsgenehmigung und ich hoffe, dass sich das ändert.”

Stella hofft, mit ihrem Projekt wenigstens einen Anfang machen zu können. “Wir lassen LGBT-Geflüchtete von ihrer Reise unterm Regenbogen erzählen. Und vielleicht, hoffentlich, finden sie irgendwann ihren Schatz.”

Projektmacherin Stella erzählt die Geschichte von Yusuf, Ritah und William — Foto: Lena Graef

Beitragsfoto: Adobe Stock // bennian_1

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