30.11.2018

Adrenalin gehört dazu: Wie sich Ehsan von Rootify auf einen Pitch vorbereitet

“Ich merke mal wieder, ein einminütiger Pitch ist viel schwieriger als ein sechzigminütiger.” Gefragt nach nur drei Worten, die das Jahr 2018 mit seinem Projekt Rootify beschreiben, kommt Gründer Ehsan ins Grübeln. Kein Wunder, das junge Startup existiert erst seit Mai und hat seitdem einen steilen Start hingelegt. “Inspirierend. International. Irre!”, so würde Ehsan es beschreiben. Zuletzt hat er auf dem Web Summit in Lissabon vor mehreren Tausend Leuten gepitcht und kam dabei unter die Top 20 der Welt.

“Es ist erstaunlich, wie weit man kommen kann, wenn man einfach nur selbstbewusst an seine Idee glaubt.”Ehsans Idee: eine Sprachlern-App, die sich in einem wesentlichen Punkt von bereits exisiterenden Angeboten unterscheidet – sie vermittelt neue Sprachen auf Grundlage der Sprachen, die man bereits kennt. Das macht die Methode schneller und einfacher als bloßes Vokabelnpauken. Ehsan muss es wissen: Mit seiner eigenen Methode hat er bereits die zehnte Sprache gelernt. Mandarin, für seinen Master of Business Administration in Peking. Ehsan ist überzeugt: Mit seiner App Rootify kann das jeder!

Volle Hallen können Gründer Ehsan nicht mehr erschrecken // Foto: Rootify

Selbstbewusstsein und Ungeduld

Dabei steht die App selber noch in den Startlöchern. Ehsan hat sein Projekt auf verschiedenen Ideenwettbewerben vorgestellt. Ob regional, national, international – die Idee von Rootify kam an. Die Projektförderung von Think Big empfand Ehsan dabei als ungeheuer hilfreich: “Okay, da glaubt jemand an uns, dann glauben wir auch mal an uns. Denken wir mal groß.”

Das große Denken wurde belohnt: Bei der internationalen Technologiekonferenz, dem Lissabon Web Summit, hat es Rootify bis ins Viertelfinale geschafft. Nach dem Ausscheiden bewarb sich Ehsan noch am selben Tag direkt auf den nächsten Wettbewerb. “Ich habe eine starke Ungeduld”, sagt er – und sieht das als Vorteil. “In der Wirtschaft wird einem immer erzählt, Geduld sei die Schlüsseleigenschaft zum Erfolg. Ich glaube, im Sinne von Beharrlichkeit stimmt das auch – aber nicht im Sinne von ‘sich zufriedengeben’.”

Routine und gute Vorbereitung

Mit ein wenig Reflexion kam dann die Ruhe wieder. Ehsan sieht es so: “Jeder Wettbewerb, den wir verloren haben, war eine weitere Generalprobe.” Übung sei zwar alles, aber er stellt sich nicht daheim vor den Spiegel, um seine Pitches durchzugehen. Für ihn ist jeder neue Pitch auch gleichzeitig eine neue Übung. Mittlerweile hat er eine so starke Routine darin, sein Projekt vorzustellen, “man könnte mich mitten in der Nacht aufwecken und ich würde den Elevator runterrattern.”

Ehsans besonderer Tipp für die Vorbereitung: sich vorher informieren, wer in der Jury sitzt, und die Präsentation dann darauf anpassen. Auf einem globalen Wettbewerb sei es für die Jury weniger interessant, ob ein Projekt ein spezifisches Problem einer einzigen Region anspricht – ganz im Gegensatz zu einem regionalen Ideenwettbewerb. “Man muss seine Vision so verpacken, dass man die Zielgruppe anspricht, vor der man pitcht”, sagt Ehsan. “Oft ist eine Idee ja so groß, dass sie viele Menschen anspricht. Man muss schauen, was man daran betont.”

Adrenalin und Naturklänge

Wenn man Ehsan so zuhört, bekommt man den Eindruck, er macht das mit links, selbstbewusst vor hunderten oder tausenden Menschen sein Projekt präsentieren. Wird er denn nie nervös? “Klar bin ich jedes Mal nervös. Ich denke, das ist auch gut so”, sinniert er. “Ein bisschen Adrenalin braucht man, um dann wirklich abzuliefern.”

Sein Geheimrezept, um sich vor einem Pitch runterzubringen: sich kurz zurückziehen, für sich sein, Musik hören. Oder Naturklänge, das hat Ehsan kürzlich für sich entdeckt. “Man kommt nicht so schnell aus der Großstadt in die Natur. Aber wenn man die Kopfhörer einstöpselt, kann man sich mit der Musik in den Amazonas beamen.” Das hilft ihm dabei zu fokussieren.

Ein anderer Gedanke spornt ihn wiederum an und hilft gegen Nervosität: Anstatt sich davor zu fürchten, die Jury zu langweilen, denkt Ehsan: “Cool, da sitzen Leute im Publikum, die wollen über uns erfahren!”Sein Mindset anpassen, so drückt er es aus. “Das ist zweimal dieselbe Situation, die man aber dann ganz anders angeht.”

“Arbeiten und ranklotzen”

Im neuen Jahr macht Ehsan jedoch erst einmal Pause mit dem Pitchen. Die Wettbewerbe haben ihm gezeigt: Die Nachfrage für seine App ist da, das Interesse ist riesig. Jetzt geht es an die tatsächliche App-Entwicklung. “Ins Kämmerchen, in die Garage, dran tüfteln.” Das wird im neuen Jahr sein Hauptfokus sein – und dank verschiedener gewonnener Wettbewerbe hat er auch die finanzielle Grundlage dafür. Eines ist sicher: Von Rootify wird man noch viel hören!

Beitragsfoto: Rootify

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