Unser Wochenende in Quetzdölsdorf

Der Ausflug unserer Erlebnisaktivisten-Gruppe begann mit der gemeinsamen Anreise aller Teilnehmer am Vormittag des 6. Juli 2012 nach Quetzdölsdorf. Als wir ankamen, fühlten wir uns sofort wohl in der naturnahen, ruhigen Umgebung. Einige Teilnehmer fuhren Zutaten für das Mittagessen einkaufen, danach bereiteten wir gemeinsam unser Mittagessen zu.
Nach dem Mittag wurden wir von Veit Urban (Verein Land.Leben.Kunst.Werk e.V.) mit einem Einführungsvortrag zu nachhaltiger Dorfwirtschaft begrüßt. Wir erfuhren viel über den Verein und seine Tätigkeit im Dorf und das Wirken in der Umgebung. Untermalt wurden Veit Urbans Ausführungen mit theoretischen Aspekten über die Arbeit mit Gruppen und das Empfangen und Senden von „Botschaften“. Im Anschluß konnten wir unsere Schlafmöglichkeiten besichtigen. Als eine der ersten Gruppen konnten wir in der neu umgestalteten Scheune schlafen. Diese bot alles, was man brauchte und war aus einer Ruine historisierend und naturnah eingerichtet und gestaltet worden. Am frühen Nachmittag gab es einen Einstieg in die Gruppenarbeit, welcher von unserem Gastgeberverein angeleitet wurde. Das Kennenlernen der Teilnehmer war dabei spielerisch inbegriffen.
Im Anschluß ging es in den Kletterwald. Zuerst machten wir noch einige Gruppenübungen, die uns näher zusammenschweißen und die uns das Gefühl geben sollten, dass wir Vertrauen in die anderen haben können. Im Niedrigseilgarten gab es die erste große Herausforderung. Wir wurden in verschiedene Gruppen eingeteilt, die alle einen unterschiedlichen Startpunkt auf den Seilen hatten. Zum Anfang gab es einige Schwierigkeiten, weil wir nicht ganz genau wussten, wie wir anfangen sollten. Aber irgendwann haben wir dann verstanden, dass das Wichtigste die Arbeit in der Gruppe, Kommunikation, auch mit anderen Gruppen, und die gegenseitige Unterstützung ist. Zwischendurch plagten uns leider auch die Gefühle des Aufgebens, wenn es mal wieder nicht geklappt hat, aber letztendlich waren wir alle sehr stolz auf uns diesen Weg gemeinsam geschafft zu haben.
Mit den Eindrücken des Tages machten sich einige Mitglieder der Gruppe an die Zubereitung des Abendessens und der Tag wurde während des Essens und später am Feuer noch lange reflektiert.

Da die Gesamtwetterlage insgesamt eher von Regen durchzogen war, klärten die Gruppe am Samstag nach dem gemeinsam zubereiteten Frühstück die Tagesplanung.
Punkt eins war die zu erledigende Gartenarbeit. Diese war mit dem Verein vereinbart worden, um im Leistung-gegen-Leistung-Prinzip dafür für eine weitaus geringere Gebühr für die Nutzung des fremdgesicherten Hochseilgartens zahlen zu müssen. Nachhaltiges Wirtschaften zeigt der Verein somit innerhalb seiner Projekte gemeinsam mit Gruppen auf.
Wir kümmerten uns um das Unkraut auf den Wegen und im Erdbeerfeld – und dadurch finanzierten wir uns gleichzeitig einen Teil des Niedrig- und Hochseilgartens. Natürlich konnten wir nebenbei noch die eine oder andere Frucht naschen. Am Ende hat es, trotz dass Gartenarbeit nicht das schönste ist und wir einige Brennnesseln ertragen mussten, richtig Spaß gemacht.
Nach einer ruhigen Mittagspause erkundeten wir erst einmal das Schloss, in dem der Verein seinen Sitz hat. Nach dem Schloßrundgang erkundeten wir das Dorf mit seinen verwinkelten Wegen und dem naturnah gestalteten Dorfplatz. Auch dort wirkte der Verein zusammen mit der Dorfgemeinschaft. Von so viel Engagement waren wir sehr begeistert.
Am frühen Abend konnten wir endlich auch in den Hochseilgarten. Wir Teilnehmer waren alle schon ganz aufgeregt und voller Vorfreude, schließlich sollte es ja der Höhepunkt unserer Exkursion werden. Uns war unterschiedlich zumute, die einen waren ängstlich, die anderen freuten sich auf die neue Erfahrung und wieder andere freuten sich auf den bevorstehenden Spaß, den es hoffentlich machen würde. Die Spannung stieg noch mehr, als wir unser Ausrüstung anziehen mussten. Wir konnten es kaum noch erwarten. Unsere erste Bewältigungsaufgabe war das „fliegende Eichhörnchen“. Dabei wurden wir von den anderen am Seil gezogen, um im hohen Bogen den Baumkronen ein Stück näher zu kommen.
Nach dieser Übung gab es eine Einführung in Knotentechniken und die Fremdsicherung. Das Klettern konnte beginnen. Jeder hatte eine bestimmte Aufgabe. Während die einen sicherten, konnten unsere anderen Teilnehmer mit dieser Sicherung klettern. Wieder einmal mussten wir den anderen soweit vertrauen, dass sie uns sicher halten würden und nicht loslassen. Auf jeden Fall war es eine echt tolle Erfahrung. Dabei mussten sich alle von uns überwinden, in zehn Meter Höhe den Weg über parallele Stahlseile zu gehen. Scheitern und Aufgeben gab es nicht, fast alle versuchten es noch einmal. In der anschließenden Reflexion kam auch heraus, dass viele von uns an ihre Grenzen gegangen sind und es uns allen total viel Spaß gemacht hat, trotz der Ängste und der Überwindung der persönlichen Panikzone. Alle waren stolz darauf, diese Erfahrung gemacht zu haben.
Die Auswertung fand nach unserem Grillabend am Lagerfeuer statt, um das wir einige Stunden saßen. Gegen Mitternacht gab es Gruselgeschichten rund um das 300jährige Schloss und eine Nachterkundung durch den Schlosskeller, in dem einige Geister leben sollten. …
Das Aufstehen am Sonntag fiel entsprechend schwer. Nach dem Frühstück reflektierten wir über die letzten Tage, was wir aus ihnen gelernt haben, was wir mitnehmen, was wir gut und was wir schlecht fanden. Insgesamt konnte man eigentlich nur fast Positives berichten. Quetzdölsdorf war für uns als Gruppe eine ganz besondere Erfahrung, an die wir uns noch lange erinnern werden. Die Aktionen haben uns als Gruppe zusammengeschweißt. Wir haben gemerkt, dass wir neben der Naturverbundenheit noch andere Gemeinsamkeiten haben und dass auch eine fast reine Mädchengruppe ohne Streitigkeiten funktioniert. Wir nehmen mit, dass man auch über seine Grenzen hinausgehen muss bzw. sollte und dass man sich Herausforderungen stellen soll. Quetzdölsdorf und der Land.Leben.Kunst.Werk. e.V. sind eine super Sache, man kann die Ruhe der Natur genießen und aus dem Alltag entfliehen. Erfahrungen aus einer fast anderen Welt mit Spaß und Action ließen uns beflügelt wieder abreisen. Veit Urban und seine Kollegen haben uns auf viele neue und gute Ideen gebracht. Für unsere Gruppe und unsere Sicht auf das Landleben war das Projekt eine große Bereicherung.
Einen Wermutstropfen hat unser Projekt dann doch noch: Aufgrund der vorhergesagten Wetterbedingungen (Regen und Gewitter) und den damit verbundenen Gefahren haben wir uns gegen die Fahrt mit Zug und Fahrrad entschieden und sind in Auto-Fahrgemeinschaften angereist.