Wen soll ich wählen? Entscheidungshilfe durch Wahl-O-Mat & Co.

Der August ist vorbei – jetzt geht es mit großen Schritten auf die Bundestagswahl am 24. September zu. Und damit steht natürlich auch die Entscheidung an: Wo mache ich meine Kreuze eigentlich? Welche Partei vertritt meine Interessen am besten? Vielleicht ist euch schon lange klar, wen ihr wählen wollt – oder seid ihr mehr von der kurzentschlossenen Sorte? 

Nicht nur bei diesen ganzen Fragen, auch beim Wälzen hunderter Seiten Parteiprogramme kann einem schon mal der Kopf schwirren. Abhilfe schaffen hier digitale Tools und Webseiten, die euch in einfachen Schritten zeigen, welche Partei am ehesten mit euren Meinungen und Überzeugungen übereinstimmt und wem die gleichen Themen wichtig sind. Think Big hat sie für euch unter die Lupe genommen.

Das Urgestein unter den digitalen Wahlhelfern: der Wahl-O-Mat

Der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) feiert dieses Jahr schon sein 15-jähriges Jubiläum – damit ist er der Vorreiter aller digitalen Wahlhelfer. Es gibt ihn neben der Desktopvariante seit 2011 auch als App für Tablet oder Smartphone.

Der Wahl-O-Mat fragt eure Meinung zu verschiedenen Thesen aus einem breit gefächerten Themengebiet ab. So könnt ihr anklicken, ob ihr einer These entweder zustimmt, nicht zustimmt, ihr neutral gegenübersteht – oder ob ihr sie überspringen und nicht in die Wertung miteinbeziehen möchtet. Dann sucht ihr aus, welche höchstens sieben der zur Verfügung stehenden Parteien ihr vergleichen möchtet. Der Wahl-O-Mat berechnet dann in Prozent, welche Parteien am ehesten mit eurer Meinung übereinstimmen.

Wenn ihr genauer wissen wollt, was es mit der Antwort einer Partei auf sich hat, gibt es auch Statements der Parteien zu den einzelnen Fragen. Denn auch wenn zwei Parteien mit “stimme zu” geantwortet haben, können doch komplett verschiedene Begründungen dahinterstecken.

Hier geht es zum Wahl-O-Mat. 

“Tinderleicht” Parteien vergleichen mit dem WahlSwiper

Der WahlSwiper ist deutlich von einer bekannten Dating-App inspiriert – das zeigt nicht nur die Sprache, sondern auch das Prinzip, wie die App funktioniert. 

Auf sogenannten „Karten“ könnt ihr den einzelnen Thesen zustimmen, nicht zustimmen oder euch enthalten. Ihr gebt eure Antwort ab, indem ihr entweder nach links oder rechts swipt. Wer das nicht mag, kann die Antworten ganz klassisch auch anklicken. Auf jeder Karte gibt es ein kurzes Video, das das Thema genauer erklärt und das ihr direkt in der App ansehen könnt. Das “Matching” mit den einzelnen Parteien funktioniert ähnlich wie beim Wahl-O-Mat. Allerdings könnt ihr hier beliebig viele Parteien mit euren Antworten vergleichen. Wenn ihr euch für eine Partei genauer interessiert, findet ihr direkt in der App auch gleich den Link zur Partei-Webseite oder dem Wahlprogramm.

Hier findet ihr mehr Infos zum WahlSwiper. 

Erstwähler? Auch da gibt es die passende App

Die App “Meine erste Wahl” funktioniert ähnlich. Sie richtet sich jedoch explizit an junge Leute, die bei der diesjährigen Wahl zum ersten Mal mitwählen dürfen – also an die sogenannten Erstwähler.

Und das richtig ausführlich. Die App präsentiert euch auf sage und schreibe 334 Wahlkarten ebenso viele Thesen. Erst wenn ihr alle Karten durchhabt, gibt es ein Endergebnis – und das dauert ziemlich lange. Allerdings zeigt die App auch jederzeit euren aktuellen Zwischenstand an. Wenn euch ein Thema genauer interessiert, könnt ihr weiter dazu recherchieren und zum Beispiel Ausschnitte aus den Wahlprogrammen dazu lesen. Leider geht dadurch schnell der Überblick verloren.

→ Hier findet ihr mehr Infos zur App, die es aktuell nur für das iPhone gibt.

Der Blick auf die letzte Legislaturperiode

Politik ist auch immer eine Frage von Kompromissen – und jeder Beschluss ein Ergebnis teilweise langwieriger Abstimmungen. Darum wirft die Website www.deinwal.de einen Blick in die Vergangenheit: Wie haben Parteien in den vergangenen vier Jahren tatsächlich zu einzelnen Themen abgestimmt, bei ganz konkreten Gesetzesentwürfen?

Auf der Seite könnt ihr durchspielen, wie ihr bei Fragen zu zwölf Themen im Bundestag abgestimmt hättet. Am Ende bekommt ihr in der Auswertung gezeigt, welche Partei mehrheitlich genauso gestimmt hat.

Natürlich kann die Seite nur Parteien vergleichen, die tatsächlich in den letzten vier Jahren im Bundestag saßen. Außerdem bildet sie nicht ab, wie kompliziert so ein politischer Entscheidungsprozess in der Realität ist – und dass zum Beispiel ein Nein zu einer Erhöhung von Geldern auch heißen kann, dass die Partei zwar für die Erhöhung ist, aber um einen anderen Betrag. Als Alternative zusätzlich zu anderen Tools ist die Website jedoch sicherlich interessant.

Darf es etwas detaillierter sein?

Die vorgestellten Apps machen alle einen Rundumschlag durch die Wahlprogramme und Themen und geben eher einen allgemeinen Überblick. Es gibt jedoch auch spezialisierte Checks und “O-Maten”. Da wäre zum Beispiel den Agrar-O-Mat für Landwirte oder der Sozial-O-Mat der Diakonie Deutschland. Mit dem Digital-Thesen-Check, der kein interaktives Tool, sondern eher eine Tabelle ist, könnt ihr eure Meinung zu digitalen Themen mit denen der Parteien abgleichen.

Der Entscheidung einen Schritt näher

Denkt jedoch daran, dass keine App und keine Website euch vorschreiben kann und möchte, was ihr wählt. Die Tools können euch neue Erkenntnisse vermitteln – vielleicht seid ihr bei der einen oder anderen Frage ja sogar überrascht, wie eine Partei darüber denkt. Oder sie können eure Meinung bestätigen und eure Wahl-Entscheidung festigen. Doch sie sind kein Ersatz dafür, sich selber zu informieren.

Wichtige Informationen rund um die Bundestagswahl und das deutsche Wahlsystem finden (nicht nur) Erstwähler übrigens auf unseren Seiten zur Think Big Erstwählerkampagne. Schickt uns euer Statement in einem kurzen Video: Was ist euch wichtig – und warum ist es wichtig, dass jeder Wahlberechtigte auch tatsächlich am 24. September seine Stimme abgibt?

Titelbild: MichaelJayBerlin

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