Scheitern: Warum Misserfolg auch etwas Gutes hat

Wer einmal eine Niederlage einstecken musste, weiß, wie viel Kraft es kostet wieder aufzustehen und weiterzumachen. Da ist diese innere Stimme, die einem davon abrät sich noch einmal wehzutun. Oder noch schlimmer: Die Stimmen kommen von außen und sind voller Vorwürfe von Familie und Freunden. Wie soll man es da nur schaffen, wieder nach vorn zu blicken, wo einen doch alles auf die vergangenen Fehler hinweist? Die Antwort ist simpel: Fehler passieren. Und solange man sie nicht wiederholt, spricht alles dafür, gestärkt aus der Situation hervorzugehen.

Die Besten scheitern erst einmal

Viele bekannte Erfolgsgeschichten von Gründern beruhen auf weniger bekannten Rückschlägen, die diesen vorausgegangen sind. Vor 100 Jahren wurde Micky-Maus-Schöpfer Walt Disney beispielsweise von einer Zeitung gefeuert. Die aberwitzige Begründung: Er sei nicht kreativ genug. Jahre später gründete er das Cartoon-Filmstudio Laugh-O-Grams und häufte erst einmal nur Schulden an – der Bankrott war unabwendbar. Ein Umzug nach Kalifornien sorgte für neue Energie und zusammen mit seinem Bruder gründete er schließlich das Disney Brother’s Studio. Er bewies: Geduld zahlt sich aus!

Daran fehlte es auch dem reichsten Menschen der Welt nie. Bill Gates erfand eine Maschine, die Fahrzeuge zählte. Dumm nur, dass die Verkehrsauswertung kurz darauf verstaatlicht wurde und es somit keinen Markt mehr gab. Auf der anderen Seite lernte er dafür das Programmieren. Unbewusst legte er damit den Grundstein für seinen späteren Erfolg mit Microsoft.

Wer Risiken eingeht, fällt auch mal

Es gehört zur Natur der Dinge, dass etwas Neues nicht beim ersten Anlauf klappt. Das gilt für die ersten Gehversuche, die erste Fahrt auf dem Fahrrad, oder für das erste Geschenk, das man alljährlich an Weihnachten einpackt. Die Sprüche sind bekannt: Aller Anfang ist schwer und gut Ding will Weile haben. Da fragt man sich doch, warum nun ausgerechnet die Risikobereitschaft nicht öfter honoriert wird? Denn Veränderungen kommen sicher nicht durch Menschen zustande, die lieber die nächste Staffel auf Netflix streamen, als ihre Träume und Ideen zu verwirklichen. Die schaffen es vielleicht nicht beim ersten Anlauf ein eigenes Produkt auf den Markt zu bringen oder die eigene Firma groß zu machen – aber vielleicht beim zweiten oder dritten. Wichtig ist nur, dass man immer dranbleibt und nicht aufgibt. Denn von den Erfahrungen kann man beim nächsten Versuch profitieren. Das gilt natürlich auch für eure Projekte.

Von Verlierern lernen

Nach diesem Prinzip funktionieren übrigens auch die sogenannten „Fuckup Nights“. Dort stellen sich Kreative, Macher und Gründer auf die Bühne und berichten von ihren Niederschlägen. Das ist die ultimative Therapie: Vor hunderten Besuchern zugeben, dass man gescheitert ist. Damit geht aber auch der Blick nach vorne einher – sie erzählen, was sie gelernt haben und welche Lektionen sie nun anderen mit auf den Weg geben wollen. Auch wenn nicht jeder nach dem Scheitern Lust auf eine neue Runde haben muss, so sind die eigenen Fehler nicht umsonst passiert. Denn indem man offen über sie spricht, nimmt man anderen die Angst vor dem Scheitern und gibt ihnen damit Mut, sich zu trauen. Fuckup Nights gibt es überall in Deutschland – und machen auch Spaß, wenn man selbst noch nicht gescheitert ist.

Foto: iStock/nullplus

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