Ohne moralischen Zeigefinger: „Nachbar“, ein Film von Schülern und Geflüchteten

In den Schulferien zwischen der zehnten und der elften Klasse kommt dem siebzehnjährigen Schüler Moritz Kirchner die Idee zu einem Drehbuch: In die Wohnung neben einem knorrigen, älteren Herrn ziehen neue Nachbarn ein, aber zu seinem Entsetzen sind es keine Bilderbuch-Deutschen, sondern eine Flüchtlingsfamilie! Im Fokus des kurzen Films stehen die daraufhin schwelenden  Konflikte und die Annäherung der unterschiedlichen Charaktere.

  

Die jungen Filmemacher des Projektes “AAG Pictures” – fast alle unter 18 – setzen bei der Umsetzung ihres Films auf Authentizität: So verkörpern tatsächlich Geflüchtete die Familie im Film – und arbeiten auch hinter der Kamera tatkräftig mit. Klischees wollen die Projektmacher um jeden Preis vermeiden und verzichten daher bewusst auf eine Schwarz-Weiß-Darstellung der Charaktere und Konflikte.

Nach den Dreharbeiten im April feiern die Schüler im Juli Premiere in einem Kino ihrer Heimatstadt Regensburg. Die Schülergruppe des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums ist zu Recht stolz auf ihren 22-minütigen Film, für den sie durchweg positive Reaktionen und viel Lob bekommen haben. Vor allem die hohe Produktionsqualität wurde hervorgehoben.

Der lange Weg von der Idee zum fertigen Film

“Bis dahin war es nämlich auf jeden Fall ein sehr langer Weg”, betont der siebzehnjährige Produzent und Initiator Moritz Kirchner. Denn ein Film dreht sich natürlich nicht von selbst und die Schülergruppe rund um den Drehbuchautoren Jannik Wittmann und den Produzenten Moritz Kirchner musste wahre Macher-Qualitäten unter Beweis stellen.

Bis die Dreharbeiten beginnen konnten, vergingen zahlreiche Stunden mit Diskussionen, Organisation und Grübelei. Bis kurz vor dem Dreh werfen die Schüler noch Textpassagen um und hatten alle Hände voll zu tun. Denn, wie Moritz betont: “Es war ein reines Freizeitprojekt und da hat man nebenher natürlich wahnsinnig viele Sachen zu organisieren und muss sich über irre viel Gedanken machen: Neben dem Drehbuch gilt es schließlich noch Drehorte zu finden, Schauspieler aufzutreiben und ein Budget festzulegen.”

Think Big liefert frische Impulse

Für Dreh-Equipment, Mieten und die Beratung eines professionellen Kameramanns bekamen die Schüler unter anderem finanzielle und ideelle Unterstützung von Think Big.

”Was wir auf jeden Fall auf den Think Big Workshops mitgenommen haben, ist es auch als Filmemacher unternehmerisch zu denken und sich Gedanken um die Außenwirkung zu machen. Zum Beispiel haben wir uns dank Think Big auch eine eigene Facebookseite eingerichtet!”, beschreibt Junior-Produzent Moritz die Impulse durch die Think Big-Projektförderung.

Gemeinsam Stolpersteine überwinden

Gemeinsam meisterte das Team schließlich die nervenaufreibende Suche nach Laienschauspielern, den plötzlichen Ausfall von Hauptrollen eine Woche vor Drehbeginn, den Umgang mit dem komplizierten Kino-Equipment und den Schlafmangel durch nächtliche Dreharbeiten. “Es ist am Film halt so, dass nie alles so läuft, wie man es vorher geplant hat. Irgendwas geht immer schief, auch an den großen Hollywood-Sets, damit muss man einfach leben”, erklärt Moritz pragmatisch.

Bei Problemen wurden die Schüler schließlich immer wieder angetrieben durch den Gedanken angetrieben: “Was tut man nicht alles für ein gelungenes Projekt?” So erzählt Moritz, wie sie nach einem Nachtdreh um 5:30 Uhr aufstanden, um in einem Supermarkt zu drehen, oder wie sie sich mit Händen und Füßen mit einer Schauspielerin verständigen mussten, die weder Englisch noch Deutsch verstand.

Neben den lustigen Momenten war für ihn daher auch nicht immer die nervenaufreibende Zeit während dem Dreh am schönsten, sondern vor allem auch das Gefühl danach. Stolz sein können die Schüler durchaus, schließlich haben sie etwas Außergewöhnliches geschafft. “Man erlebt viele coole und lustige Sachen, von denen man noch lange profitiert und an die man sich noch lange gern zurückerinnert”, beschreibt Moritz seine Lehre aus dem anstrengenden Jahr.

Was bleibt? Neue Freundschaften, Erinnerungen an viele witzige und lehrreiche Stunden zwischen den Kulturen und schließlich eben auch ein wirklich toller Kurzfilm.

Den Film könnt ihr euch über YouTube anschauen – oder direkt hier:

Alle Fotos im Beitrag und Titelfoto: Jakob Kluck

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