GlobalMatch: auf Augenhöhe in einer globalisierten Welt

Zwei Menschen zusammenbringen, die ein bestimmtes Thema oder eine gemeinsame Leidenschaft verbindet, und zwar jeweils eine Person aus dem globalen Süden und eine Person aus dem globalen Norden – das ist das Prinzip des Think Big Projektes GlobalMatch. Die Projektmacher um Gründerin Katharina Jung sorgen dafür, dass Interessierte “ihren” Tandempartner finden, stellen den Kontakt her und begleiten das Kennenlernen und den gesamten Prozess – sodass aus einem bloßen Interessensaustausch eine Freundschaft werden kann und aus dieser Freundschaft vielleicht sogar gemeinsame Projekte entstehen. Für dieses Engagement war GlobalMatch dieses Jahr auch für den Think Big Digitalpokal nominiert.

Den Grundstein für Katharinas Interesse an Entwicklungszusammenarbeit legt ein ganz klassischer Safariurlaub in Südafrika mit ihrer Familie, als sie 13 Jahre alt war. Während ihres Studiums der Politikwissenschaft verbringt sie ein Jahr in Madrid und ein Jahr in Brasilien. Das Schlüsselerlebnis hat sie jedoch mit 17, während ihrer Freiwilligenarbeit in einem Waisenhaus in Uganda. Katharina trifft auf Odongo, der ebenfalls Politikwissenschaften studiert.

Lebhaft erinnert sie sich daran, wie Odongo ihr mit einfachen Fragen eine ganz neue Perspektive vermittelt. Wie das Gespräch, als Odongo auf den Straßenbelag zeigt und auf die vielen Schlaglöcher und Risse. “Kathi, was denkst du, warum ist die Straße so kaputt?” Die naheliegende Antwort für Katharina ist: “Vielleicht ist kein Geld da für die Reparatur?” Was Odongo dann sagt, überrascht die damals Siebzehnjährige: “Doch, die Regierung hat Geld für die Reparatur. Doch unsere Leute glauben nicht an sich selbst. Sie warten darauf, dass Europäer kommen und die Straße für sie reparieren.”

Dieses prägende Ereignis deckt sich mit vielem, was Katharina während ihrer Freiwilligenarbeit beschäftigt, auch dass sie mit einer jugendlichen Naivität an die Sache herangegangen sei, wie sie es selber bezeichnet. “Ich habe ziemlich schnell eine Unzufriedenheit bei mir festgestellt – in dem Sinne, dass man selber mehr mitnimmt, als man gibt”, sagt sie nachdenklich.

Eine Idee ist geboren

Es sollte noch zwei Jahre dauern, bis sich diese Gedanken und Gefühle Bahn brechen in einer konkreten Projektidee. Katharina besucht Odongo erneut in Uganda, um von ihm Erkenntnisse für eine Studienarbeit zu bekommen. Bei diesem Besuch entsteht die Idee für GlobalMatch.

„Es ist so schade, dass wir in Europa dieses Bild haben, wir müssten andere Regionen entwickeln, und dass es sehr selten eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe gibt”, sagt Katharina. Sie und Odongo wollen es anders angehen – und sehen sich in ihrem jeweiligen Umfeld um, ob es noch weitere Personen gibt, die voneinander profitieren können. So kommt mit Simon und Frederick das erste Tandempaar zusammen: Zwei Philosophiestudenten, die leidenschaftlich gerne dichten – und heute daran arbeiten, einen gemeinsamen Gedichtband zu veröffentlichen.

Daraus ist die Idee entstanden, Global Match zu gründen. In den zwei Jahren seitdem ist das Team auf 23 ehrenamtliche Mitglieder angewachsen – ca. ein Drittel davon aus dem globalen Süden. Katharina ist das noch zu wenig. “Wir wollen natürlich auch selber leben, wofür wir stehen. Daher ist unser Ziel, auch im Team 50:50 zwischen globalem Norden und globalem Süden verteilt zu sein.”

Katharina und ihre Mitgründer Noni und Odongo

Weit gekommen, noch große Ziele vor Augen

50 Tandempaare hat GlobalMatch seit der Gründung mittlerweile zusammengebracht – junge, engagierte Menschen zwischen 20 und 39 Jahren, die mit Leidenschaft für ihre Interessen eintreten. “Zum Beispiel zwei Medizinstudenten, die gemeinsam zu Krebsbehandlungsmethoden in Tansania und in Deutschland forschen. Zwei Informatikstudenten, die gemeinsam einen Lehrplan entwickelt haben, wie man Jugendlichen Programmieren beibringen kann. Das ist ein ganz buntes Repertoire an Personen”, zählt Katharina auf und man merkt ihr an, dass ihr Projekt etwas ist, wofür sie brennt.

Aktuell arbeiten sie und ihr Team daran, das Matching zu überarbeiten – ab 2018 soll ein Algorithmus passende Tandempartner finden können. Neben Fachgebiet und Interessen sollchen auch die Big Five Persönlichkeitsmerkmale aus der Psychologie die Matching-Kriterien ergänzen. Hierfür haben sich die Projektmacher Unterstützung von einem Münchner Psychologieprofessor geholt, der sich genau darauf spezialisiert hat. Das übergeordnete Ziel ist es, noch mehr Menschen zu erreichen und das Projekt in noch mehr Länder zu bringen. “Wir haben bis jetzt Tandempartner aus 11 Ländern gematcht, aber das reflektiert natürlich noch nicht die gesamte Vielfalt unserer Welt”, betont Katharina.

Entrepreneurial spirit: Was Katharina jungen Gründern rät

Think Big hat das Projekt GlobalMatch dabei sowohl finanziell als auch durch Coaching unterstützt. Für Katharina war die Zusage zur Basic-Förderung „der Kick gleich zum Start: Ja, an uns und an unser Projekt glaubt eine Organisation!“ Ein Boost an Energie für die junge Gründerin. Nachhaltig beeindruckt hat sie jedoch das Coaching durch Entrepreneur Thomas Jakel. „Er hat uns in die Richtung gepusht, dass wir das Projekt nicht nur so nebenbei machen, sondern professionalisieren und eine nachhaltige Unternehmung daraus machen“, erzählt Katharina und fügt hinzu: „Deswegen stehen wir da, wo wir jetzt stehen. Wir sind mittlerweile sogar bereit, nächstes Jahr eine Vollzeitstelle zu beschäftigen, die sich ganz um GlobalMatch kümmert.“

Anderen Gründern möchte Katharina einen wichtigen Tipp auf den Weg geben: „Man muss nicht die Welt neu erfinden.“ Wo immer man kann, sollte man sich vernetzen und sich Unterstützung holen von Partnern, die genau das mitbringen, was man in seinem Projekt gerade braucht. „So früh wie möglich Kooperationen aufzubauen“ erleichtert die Arbeit am eigenen Projekt ungemein und bringt es voran.

Werdet aktiv!

Wenn ihr von Katharinas Idee überzeugt seid, tragt die Idee in eurem Freundes- und Bekanntenkreis weiter, gerne auch in andere Länder – oder bewerbt euch bei GlobalMatch als Tandempartner. Auch weitere ehrenamtliche Teammitglieder sind willkommen.  

Und wenn auch ihr für ein Thema besonders brennt und eine eigene Projektidee in euch schlummert: Reicht eure Idee bei Think Big ein und werdet selber zum Helden!

Alle Bilder: GlobalMatch

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